Wer zahlt für unsere Kleidung?
So ein schönes Shirt und dann auch noch so günstig! Da hast du aber ein echtes Schnäppchen gemacht, was? So oder so ähnlich läuft es in vielen Köpfen oder Gesprächen ab, wenn wieder einmal ein sehr günstiges Kleidungsstück über die Ladentheke in die Tasche und dann an die Frau oder den Mann wandert. Günstig ja, aber wer zahlt eigentlich dafür wirklich? Für unsere Fast Fashion rufen viele einen hohen Preis auf, der sich oft gar nicht in Euro beziffern lässt.
Nachfrage schaffen statt bedienen
Lange war es zumindest bei Alltagskleidung so, dass du dir etwas Neues gekauft hast, wenn's eben nötig war - so erzählen es Opa und Oma zumindest. Der Pulli oder das Hemd kamen endgültig in den Altkleidercontainer und wurden durch neue Kleidung ersetzt. Zwei bis vier Kollektionen im Jahr konnten die Modehäuser so locker loswerden.
Viel zu wenig, dachten sich findige Köpfe. Sie beschlossen, einfach selber Nachfrage zu schaffen: Mit personalisiertem Marketing und über die Zusammenarbeit mit Influencern vermitteln sie uns, dass wir ohne die neuesten It-Pieces leider vollkommen hinter Mond und Mars leben. Sie haben die Psychologie des Kaufverhaltens genau studiert und wissen, welche Register sie ziehen müssen.
Und es wirkt: Wir kaufen viel mehr, als wir brauchen. Manche Stücke hängen im Schrank, ohne dass wir sie mehr als ein- oder zweimal anziehen. Inzwischen produzieren wir allein in Deutschland 1,3 Millionen Tonnen Altkleider pro Jahr!
Am wichtigsten sind niedrige Preise
Wer schnell viele Kleidungsstücke verkaufen möchte, muss sie zu möglichst niedrigen Preisen anbieten. Das gelingt durch:
- die Nutzung möglichst günstiger Stoffe (Synthetikfasern kosten nur halb so viel wie Naturfasern wie Baumwolle)
- Herstellungsprozesse, in denen giftige Chemikalien zum Einsatz kommen
- möglichst niedrige Vergütung für die Arbeiter auf den Feldern und in den Textilfabriken

Deutschland hat Gesetze, in denen Arbeitszeiten, Arbeitsschutz, Umweltschutz und Mindestlohn geregelt sind. Andere Länder haben das nicht, unter anderem Bangladesch, Indien, Myanmar oder China. Kleidung, die bei uns verkauft wird, wird also häufig in diesen Ländern angefertigt.
Diese Kosten trägt die Umwelt
Die Modeindustrie verbraucht viel, viel Wasser – teils für den Anbau von Baumwolle, teils für die Herstellungs- und Färbeprozesse. 6,5 Milliarden Kubikmeter Wasser im Jahr gehen für die Herstellung von Kleidung drauf. Das ist eine schwer vorstellbare Größe. Leichter zu greifen ist beispielsweise, dass für die Herstellung eines einzigen T-Shirts 2.700 Liter benötigt werden.
Baumwolle wächst in heißen Ländern, in denen ohnehin Wassermangel herrscht. Der Anbau verschlimmert das Problem: Aktuell haben rund 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Weitere Probleme für die Umwelt sind die folgenden:
- Giftige Chemikalien, die bei der Herstellung der Kleidung genutzt werden, landen in Ländern, die keine oder weniger strenge Umweltschutzgesetze haben, einfach in den Flüssen: Sie töten Tiere und Pflanzen und vergiften auch Menschen.
- Riesige Baumwollplantagen laugen die Böden aus, die aufgrund der Monokultur immer weniger Nährstoffe haben und immer mehr Dünger brauchen. Pestizide vergiften sie zusätzlich.
- Aus den Kunstfasern wird bei jeder Wäsche Mikroplastik herausgewaschen. Es findet sich inzwischen in Lebewesen rund um den Globus im Körper – ja, auch in Menschen.
- Die Modeindustrie ist für rund 10 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes
Altkleider und nicht verkaufte Chargen landen entweder auf riesigen Müllbergen in der Wüste oder werden verbrannt, wobei sie die Luft zusätzlich verschmutzen.

Diesen Preis zahlen die Arbeiter
Die Menschen, die in den sogenannten Billiglohnländern in Textilfabriken beschäftigt werden, arbeiten oft unter schlimmen Bedingungen. Der Einsturz der Fabrik in Bangladesch 2013 war eine Katastrophe, aber auch ohne derartig einschneidende Erlebnisse sind die Arbeitsbedingungen oft nicht menschenwürdig:
- Die Arbeitszeiten sind lang – oft zwölf Stunden am Tag und mehr, bei sechs bis sieben Tagen in der Woche. Häufig wird nach gefertigten Kleidungsstücken bezahlt. Da das in China nur rund 30 bis 40 Cent pro Kleid sind, kommen Näher auf ihre 75 Wochenstunden, um leben zu können. In Bangladesch erhalten Näherinnen häufig nur einen Monatslohn von umgerechnet 100 Euro für vergleichbar lange Arbeitszeiten.
- Die Arbeitsplätze sind eng, stickig und schmutzig. Oft liegen Stoffstücke auf den Tischen und dem Boden, die leicht entflammbar sind. Arbeitsschutz gibt es so gut wie gar nicht.
- Allein durch den konventionellen Baumwollanbau kommt es jährlich zu rund einer Million Vergiftungen, von denen etwa 200.000 tödlich enden.
- Auch Chemikalien, die während des Produktionsprozesses eingesetzt werden, können die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter schädigen: Sie verursachen Lungenkrankheiten, verätzen die Haut oder wirken hormonell und rufen Krankheiten hervor.
Immer wieder gibt es zudem Berichte, dass auch Kinder zur Arbeit auf den Baumwollfeldern oder in den Fabriken herangezogen werden.
Fazit: Hoher Preis für Billigware
Klar ist das verlockend, ein schönes Shirt oder eine neue Hose für sehr kleines Geld mitzunehmen. Allerdings macht das Tragen wenig Freude, wenn man weiß, wie das Kleidungsstück zustande gekommen ist. Statt also wahllos immer Neues zu kaufen, kannst du überlegen, was dir steht, worin du dich wohlfühlst, was dir gut tut und was du brauchst.
Nach diesen Kriterien kaufst du weniger. Das heißt, du kannst darauf achten, dass deine Kleidung aus Bio-Stoffen besteht und fair angefertigt wurde. So weißt du, dass dafür weder Menschen ausgebeutet wurden noch die Umwelt schwer gelitten hat. Zudem kannst du sicher sein, dass keine giftigen Chemikalien an deine Haut gelangen.

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