Knöpfle, Wollschläger & Co.: 7 schwäbische Namen aus dem Textilhandwerk

Im Ländle hat das Textilhandwerk eine lange Tradition – über unseren Blauen Done zum Beispiel weißt du ja schon Bescheid. Wie es in vielen Branchen üblich ist, sind aus dem Beruf irgendwann auch Nachnamen geworden. Manche von ihnen findet man überall, der Name Schneider zum Beispiel ist in ganz Deutschland weit verbreitet. Andere sind speziell schwäbischen Ursprungs. Und die schauen wir uns ein bisschen genauer an.

Knöpfle

Ein Knöpfle ist im Schwäbischen unter anderem ein kleiner Knopf – und der Name, den Knopfhersteller im Mittelalter bekamen. Manchmal rief man liebevoll auch Personen so, die insgesamt von kleiner, stämmiger Statur waren. Die Nudelspezialität Knöpfle hingegen hat mit dem Namen nichts zu tun. Mmmh...trotzdem lecker!

Wollschläger

Klingt wild, oder? Hat ein Wollschläger wirklich die Wolle geschlagen? Ja, in der Tat. Dabei handelte es sich um einen Schritt der Reinigung:

  • Nach dem Scheren erhielten die Wollschläger die frische Wolle und wuschen sie gründlich, um das Fett zu entfernen.
  • Sie hängten sie vor der Weiterverarbeitung zum Trocknen auf.
  • Die getrocknete Wolle wurde auf robusten Tischen ausgebreitet und mit einem sogenannten Wollwogen gründlich geschlagen.

Durch diese Vorgehensweise wurden Schmutzpartikel entfernt und die verfilzten Fasern voneinander getrennt und aufgelockert. Das war die Voraussetzung dafür, dass die Wolle gesponnen werden konnte. Was einmal ein Meisterberuf gewesen ist, ist heute längst vergessen: Wollschläger existieren heute nur noch als Nachname.

Stiefele

Der Stiefele war im schwäbischen Raum der Schuster. Allerdings nannte man auch Menschen so, die besonders ausgefallene oder auffällige Stiefel trugen. Ja, die Schuhwahl konnte deinen Namen bestimmen, wenn sie wild genug war!

Zettl

Klingt mehr nach Büro, findest du? Heute ja, aber früher verstand man unter dem Zettl einen Garnfaden, der im Gewebe in Längsrichtung verläuft. Zettl sind also die Fäden, zwischen denen auf dem Webrahmen das Schiffchen die Wollfäden hin- und herführt – der Begriff stammt aus der Weberei.

Hast du dich einmal gefragt, woher die Wendungen „etwas anzetteln“ und „sich verzetteln“ kommen? Das geht ebenfalls auf die Weber zurück: Man sprach von „anzetteln“, wenn man das Garn für die neue Arbeit aufzog. Anzetteln war damals also gar nicht negativ besetzt, anders als das Verzetteln: Man verzettelte sich, wenn das Garn sich dabei verwirrte und verknotete.

Stichler

Er sticht mit der Nadel in den Stoff und zieht den Faden hindurch: Ein Stichler ist einfach jemand, der näht – ein Schneider. Neben Schneidern wurde der Name allerdings auch Leuten gegeben, die gern spotten und andere mit ihrer spitzen Zunge ärgern: Das Sticheln ist uns bis heute in diesem Zusammenhang bekannt.

Walker

Walker, Texas Ranger? Nicht ganz. Walker gibt es bis heute: Sie arbeiten in der Textilveredlung. Meist nennt man sie heute aber Textilmaschinenführer Fachrichtung Veredlung. Früher stampften und traten Walker auf der feuchten Wolle herum, um sie zu verdichten. Heute ist der Job weit weniger körperlich anstrengend, da die Walker nur mehr die Trommelwaschanlagen bedienen: Sie stellen Temperatur, Intensität und Laufzeit ein – je nach gewünschtem Ergebnis. Zwischendurch überprüfen sie die Entwicklungen.

Kluftfetzer

Der Name kommt nur selten vor – was auch daran liegen mag, dass er nicht besonders freundlich ist: Die Kluft ist die Kleidung oder die Arbeitstracht, und Fetzer – das steht für jemanden, der eher etwas kaputtmacht als repariert. „Kluftfetzer“ wurden also solche Schneider genannt, die ihr Handwerk nicht besonders gut verstanden und Kleidungsstücke eher ruiniert als verbessert haben. Fies!

   

Fazit: Textile Berufsnamen sind überall

Hättest du gedacht, dass es so viele schwäbische Namen gibt, die mit der Textilbranche zusammenhängen? Wir nicht! Wenn du magst, kannst du einmal bei uns in der Nähstube vorbeischauen: Kluftfetzer findest du bei uns ganz sicher nicht, nur eifrige Stichler – und sie sticheln nur mit der Nadel, nicht mit Worten. Versprochen!


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