Circular Fashion: Kreislaufwirtschaft in der Mode
Circular Fashion – Mode mit runden Elementen? Kreis-Muster auf Blusen? Nein und nein. Hier geht's nicht um den nächsten Trend, sondern ein Konzept, das den anfallenden Müll aus der Modeindustrie und damit die Umweltbelastung der ganzen Branche stark zu verringern. Wie das funktionieren kann und welche Gesetze es bislang dazu gibt, erfährst du hier.
Lineare Wirtschaft vs. Kreislaufwirtschaft in der Mode: Unterschiede
Bisher ist die Textilwirtschaft überwiegend linear:
Rohstoff – Verarbeitung – Herstellung – Verkauf – Tragen – Entsorgung
Die Kreislaufwirtschaft in der Textilbranche hingegen sieht etwas anders aus:
Rohstoff – Verarbeitung – Herstellung – Verkauf – Tragen – Recycling – Herstellung – Verkauf – Tragen – Recycling – Herstellung – (und so weiter)
Hier geht der Lebenszyklus also wieder von vorne los, ohne dass Müll anfällt. So ehrlich sind wir, so ehrlich ist auch die Industrie: So ganz klappt das natürlich nicht, aber es werden bereits Schritte in die richtige Richtung unternommen. Wichtige Ziele sind die Unabhängigkeit von endlichen Ressourcen durch die Weiterverwendung von Produkten und die Entfernung und Reduktion von Abfällen aus dem System. Oder kurz und knapp: Es soll ein geschlossener Materialkreislauf auf den vier Säulen Reduce, Re-use, Repair und Recycle entstehen.

Diese Gesetze gibt es bereits für die Circular Fashion
Die EU hat den sogenannten Circular Economy Plan entworfen. Bis 2030 soll ein Gerüst aus Gesetzen geschaffen werden, mit dem sich eine Kreislaufwirtschaft errichten lässt. Das ist aus mehreren Gründen nötig:
- Bis zu 90 % des Artensterbens gehen auf Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen zurück.
- Bis zu 80 % der Umweltauswirkungen des Produkts werden bereits in der Designphase festgestellt.
Schafft die EU also Gesetze, die den Abbau von Rohstoffen und ihre Verarbeitung zu Produkten stark zurückschrauben, leistet das einen großen Beitrag zum Umweltschutz. Die Gesetze, die bislang erlassen wurden, beziehen sich auf viele verschiedene Produkte. Wir beschränken uns hier auf die, die Textilien betreffen.
Der Digitale Produktpass (DPP)
Im Rahmen der Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) hat die EU die Regelungen zum DPP festgehalten. Es handelt sich dabei um ein Datendokument, das mittels RFID-Tag oder QR-Code vom Produkt aus abrufbar ist. Es ist maschinenlesbar und informiert über:
- die Zusammensetzung der Materialien
- die Reparierbarkeit des Produkts
- seinen CO₂-Fußabdruck
- die empfohlenen Entsorgungswege
Der Digitale Produktpass muss ab 2027 in Textilien enthalten sein.
Extended Producer Responsibility (ERP)
Bisher war es so, dass Hersteller und Importeure mit ihrer Ware nach dem Verkauf nichts mehr zu tun hatten. Das wird sich künftig ändern: Beide tragen die finanzielle Verantwortung für das Recycling bzw. die Entsorgung der Waren – egal, wem sie gehören.
In Deutschland gibt es schon seit Januar 2025 eine EPR-Pflicht für Textilien: Hersteller und Importeure müssen sich registrieren und pro Kilogramm verkaufter Ware eine Gebühr bezahlen.
Das EU-Vernichtungsverbot
Auch das EU-Vernichtungsverbot findet sich in der ESPR. Es betrifft Händler und Hersteller von Kleidungsstücken, die entweder mehr als 250 Mitarbeitende haben oder über 50 Millionen Euro Umsatz machen - da sind wir bei Schwabenpower zwar noch ein gutes Stück davon entfernt, wir finden diese Regelung jedoch sehr sehr sinnvoll.

Unternehmen innerhalb der Regelung dürfen Kleidungsstücke, die sie nicht verkaufen konnten, nicht mehr einfach vernichten, wie es bislang teils in großem Stil passiert ist. Ab Juli 2026 müssen sie legale Alternativen nachweisen können, etwa:
- Spende
- Verkauf an B2B-Aufkäufer
- zertifiziertes Recycling
- Upcycling
Es steht zu erwarten, dass es durch diese Regelung weit mehr Restposten auf dem Markt geben wird als zuvor.
Circular Fashion ist der richtige Ansatz, hat aber einen weiten Weg vor sich
Die Maßnahmen, die die EU trifft, sind gute Schritte auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in der Textilbranche. Allerdings wird sich der Wandel hin zu Circular Fashion wahrscheinlich eher leider gemütlich vollziehen: Einige der großen Fast Fashion-Konzerne suchen mit Sicherheit nach Schlupflöchern. Und da das Vernichtungsverbot kleinere Hersteller (noch) nicht betrifft, kann es hier weiterhin zu umweltschädlichen Verbrennungen kommen - oder "thermischen Verwertungen", wie es so unschön heißt.
Einige Modehäuser jedoch verstehen inzwischen die Dringlichkeit der Änderung und begrüßen die Neuerungen. Der Markt wird sich verändern: Die ERP-Gebühr etwa wird eingepreist, sodass die Kosten für die Endverbraucher steigen. Es wird sich zeigen, ob das auch zu weniger Konsum führt.
Fazit: Weniger Verschwendung der Umwelt zuliebe
Circular Fashion ist eine Idee, die bereits seit vielen Jahren existiert. Inzwischen ist es tatsächlich so weit, dass die Gesetzgeber die Weichen dafür stellen. Vielleicht wird der veränderte Markt die Fast Fashion tatsächlich ausbremsen und Kunden zum Umdenken bewegen. Wünschenswert wäre es!

Bist du schon an dem Punkt angelangt, an dem du am liebsten nachhaltig und wohlüberlegt deine Anschaffungen tätigst, schau gern einmal bei uns in den Schwabenpower-Shop: Neben nachhaltig und fair produzierten Kleidungsstücken aus Bio-Baumwolle findest du zum Beispiel auch Upcycling-Produkte aus unseren Stoffen. Wir verschwenden nämlich nichts, sondern zaubern kleine Besonderheiten, unsere Winzlinge, aus den Resten.
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